Bottom to Top – Markus Grasl berichtet am Telefon
Aus meiner Sicht war das Projekt „Bottom to Top“ ein sensationeller Erfolg. Da schmerzt es nicht einmal, dass mein Sohn Stefan und ich den Kilimanjaro Gipfel diesmal nicht geschafft haben. Auf 4700 Meter mussten wir umdrehen, da Stefan erste Symptome einer Höhenkrankheit gezeigt hat. Der Berg wird auch noch im nächsten Jahr stehen und wir von „Sehen ohne Grenzen“ kommen ganz sicher wieder nach Tansania.
19 Mitglieder der „Bottom to Top“-Expedition standen am Sonntag in den frühen Morgenstunden auf dem Gipfel des 5895 Meter hohen Kilimanjaros. Darunter auch Blind-Climber Andy Holzer und Gerhard Gindl von „Life Earth“.
Es ist ein einzigartiges Erlebnis mit Andy Holzer unterwegs sein zu dürfen. Seine Blindheit wird nicht offenbar. Mit seinen anderen Sinnen ist er so stark, dass er die fehlende Sehkraft kompensieren kann. Dazu kommt seine charakterliche Stärke, er ist immer gut drauf, ist immer positiv gestimmt und lässt sich niemals gehen. Ein unglaublich starker Typ. Ich freue mich schon auf eine Klettertour mit ihm im Herbst in den Lienzer Dolomiten. Bis zum Fels werde ich führen, ab dann wird er das Kommando übernehmen.
Andy Holzer hat den Weg zum Gipfel zumeist alleine bewältigt. Sein Begleiter geht unmittelbar vor ihm und stößt mit dem Fuß nur kurz auf die Hindernisse am Weg. Das Geräusch vom Antippen mit dem Fuß genügt Andy, um vor dem Hindernis gewarnt zu sein. Nur im schwierigem Gelände hält er sich am Rucksack seines Begleiters fest. Einen begangenen Weg speichert Andy in seinem Gedächtnis ab. Den Rückweg findet er beinahe allein. Für mich unfassbar.
Ich habe Andy Holzer im St. Joseph Hospital an den Augen untersucht. Leider ist hier die Medizin machtlos. Der Sehapparat ist dermaßen defekt, dass es keine Möglichkeit gibt, das Augenlicht wieder herzustellen. Deshalb finde ich es unverständlich, dass es immer wieder Menschen gibt, die an seiner Blindheit zweifeln. So manche berühmte Bergsteigerkollegen sind immer noch nicht von der völligen Blindheit Holzers überzeugt.
Das Augencamp ist gut verlaufen. Wir haben 40 Menschen in nur drei Tagen an den Augen operiert. Andrea Ocherbauer hat bei den Voruntersuchungen hervorragende Arbeit geleistet. Beim Camp hatte ich ein tolles Team um mich herum. Danke an Maria Gruber, danke an meinen Sohn Stefan und ein herzliches Dankeschön auch an Dr. Christian Mlundwa vom Kibosho-Hospital in Moshi. Ohne sie wäre das Eye-Camp nicht möglich gewesen. Unterstützt hat uns natürlich auch Nikolaus Girstmair von der HTL Lienz, er hat für die funktionierende Technik gesorgt.
Es wird natürlich weitere Augencamps in Tansania geben. Ideal wäre jährlich ein Camp in Kwalukonge und jährlich eines im St. Joseph Hospital. Der Bedarf für zwei Augencamps pro Jahr ist auf alle Fälle gegeben.
Die medizinische Grundversorgung in Tansania ist auch im urbanen Bereich eine Frage des Geldes. Wer Geld hat, wird behandelt; wer kein Geld hat, der muss warten. Da machen auch christliche Krankenhäuser in Tansania keine Ausnahme. Das war für mich eine erschreckende Erkenntnis.
Diesmal haben uns bei den Augenoperationen auch deutsche Ärzte auf die Finger geschaut. Sie zeigten sich vom hohen Niveau der durchgeführten Operationen und von der Flexibilität des Eye-Camp-Teams in höchstem Maße beeindruckt. Das Lob tut auch einem alten Hasen wie mir immer noch gut.
Ich mache mir nur Sorgen um Schwester Dr. Urbani Lyimo, der ärztlichen Leiterin des St. Joseph Krankenhauses. Meiner Ansicht nach ist sie schwerstens Burn-out gefährdet. Die Verantwortungsbereiche, die sie abzudecken hat, sind viel zu groß. Während unseres Eye Camps war sie einige Tage in der Haupstadt. Der Staat ist mit den Gehältern der Krankenhaus-Bediensteten in Verzug. Die Verhandlungen mit den zuständigen Personen muss Schwester Lyimo führen. Ansonsten jedoch ist das Krankenhaus dank Dr. Lyimo ein Musterbetrieb.














