„ BOTTOM TO TOP“

 

Bericht von den Vorbereitungsarbeiten für das Eyecamp von Andrea Ochabauer.

 

 

Ich erwache morgens durch das eindringliche und laute Krähen eines Hahns, in der Ferne höre ich die Rufe des Muezzins, jetzt ist es Zeit für mich aus dem Bett zu kriechen, ein neuer arbeitsreicher Tag beginnt. Es ist schön wieder in Tansania zu sein.

 

Ich bin am Dienstag Nachmittag in Moshi eingetroffen. Wie schon vergangenen Jänner im Kwalukonge Healthcenter mache ich auch diesmal die Voruntersuchungen für das „Eyecamp“ im St Joseph Hospital. Das Team von „Sehen ohne Grenzen“ startet am Samstag mit den Operationen. Ich habe vier Tage Zeit für die Vorbereitungen und Voruntersuchungen. Father Peter Mohati von den Rosminians, der auch schon beim Augencamp im Jänner mitgearbeitet hat, unterstützt mich tatkräftig. Er dolmetscht für mich und führt auch den Sehtest mit den Patienten durch.

 

Es ist das erste Mal, dass im St. Joseph Hospital Augenoperationen durchgeführt werden. Dieses Krankenhaus gehört den Kilimanjaro Sisters, die Leiterin Sister Dr. Urbani Lyimo ist ja vielen von Life Earth bestens bekannt - sie war auch schon dreimal in Österreich.

 

Das Eyecamp dauert diesmal drei Tage. Primar Dr. Markus Grasl vom LKH Bruck an der Mur, führt die Cataraktoperationen (Grauer Star) durch. Wir haben jetzt schon rund 60 Patienten untersucht, bei vielen ist der graue Star bereits so dicht, dass sie beinahe blind sind. Mit Hilfe der Operation sind diese Menschen wieder in der Lage, den Alltag alleine zu meistern. Aber nicht jeder kann sich eine Cataraktoperation hier leisten - und gerade diesen Patienten helfen die Organisationen „Life Earth“ und „Sehen ohne Grenzen“.

 

Es ist für mich schon ein spürbarer Unterschied zwischen der Bevölkerung hier, am Fuße des Kilimanjaro, und den Menschen in Kwalukonge, einem Massaigebiet in der Region Tanga. Die Leute hier sind viel selbstbewusster. Sie haben auch leichter Zugang zu medizinischer Versorgung und zu Bildungseinrichtungen.

 

Nikolaus Girstmair (HTL Lehrer aus Lienz) hat heute unsere Spaltlampe aus Österreich aufgebaut und in Betrieb genommen. Ich bin wirklich froh, bisher hatte ich ein uraltes Gerät aus dem Kibosho-Hospital (Moshi) leihweise zur Verfügung. Heute Nachmittag habe ich auch ein Internet-Modem erhalten. Wirklich ein Glückstag! Oft sind es Kleinigkeiten, die bei uns zu Hause selbstverständlich sind, und hier zu einem Problem werden können. Aber letztendlich findet sich immer eine Lösung. Man muss nur - wie bei „Life Earth“-Einsätzen in Afrika bereits bestens bekannt - immer einen Plan B oder Plan C bereit haben. Improvisationskünste sind in Afrika immer sehr gefragt.

 

Es ist jetzt 10 Uhr abends, ich komme gerade von der Farewell-Party, die Sister Dr. Lyimo für ein amerikanisches Chirurgenteam organisiert hat. Sie haben zwei Wochen lang allgemeinchirurgische Operationen im St. Joseph-Krankenhaus durchgeführt. Morgen fliegen sie zurück nach Florida. Gut so, denn jetzt brauchen wir den Operationssaal. Nach den Untersuchungen werden wir morgen den Operationssaal für das Eyecamp vorbereiten. Also wieder ein langer arbeitsreicher Tag, aber auch ein gutes Gefühl den Menschen hier zu helfen.